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Warum Karnevalstage heißen, wie sie heißen – und was dahintersteckt

Kölner Rosenmontagszug

Im Rheinland hat jeder Karnevalstag seine eigene Persönlichkeit. Und wie es sich für Persönlichkeiten gehört, tragen sie Namen, die man sich nicht einfach ausgedacht hat, weil gerade Konfetti zur Hand war.

 

Der Auftakt: Weiberfastnacht

Hier führt kein Weg am Bonner Stadtbezirk Beuel vorbei, der Wiege der rheinischen Weiberfastnacht und ein frühes Beispiel dafür, dass rheinische Frauen sich ungern die Butter vom Brot nehmen lassen: Als die Männer vor über 200 Jahren feierten, während die Frauen arbeiten mussten, organisierten sich die Beueler Wäscherinnen 1824 zu einem Damenkomitee und forderten ihren Platz im Karneval ein. Aus einem Donnertags-Kaffeeklatsch entwickelte sich eine Tradition und seit 1958 wird eine Beueler Wäscherprinzessin proklamiert, die an Weiberfastnacht gemeinsam mit den Möhnen das Beueler Rathaus stürmt.

 

Zwischen diesem furiosen Auftakt und dem großen Finale am Rosenmontag liegen Freitag, Samstag und Sonntag – drei Tage, die im rheinischen Karneval erstaunlich namenlos geblieben sind. Nicht, weil sie unwichtig wären, im Gegenteil: Ohne sie würde die Stimmung kaum so zuverlässig hochkochen. Aber historisch hatten sie schlicht keine eigene Aufgabe.

 

Karnevalssamstag und -sonntag

Am Karnevalswochenende gehören die Straßen vieler rheinischer Städte und Ortschaften den Veedels- und Stadtteilzügen. Ob in Köln, Bonn, Brühl, Hürth oder den kleineren Gemeinden dazwischen – überall ziehen Nachbarschaften, Schulen, Vereine und Initiativen mit liebevoll gestalteten Wagen und Kostümen durch ihre Viertel. Diese Umzüge zeigen den Karneval von seiner nahbaren, gemeinschaftlichen Seite.

Am Karnevalssonntag zieht außerdem der große Schul- und Veedelszoch durch die Kölner Innenstadt – auf exakt dem gleichen Zugweg wie der Rosenmontagszug, nur einen Tag früher und mit besonders vielen jungen Jecken.

 

Der Star der Session: Rosenmontag

Seine Herkunft ist ein kleines Ratespiel der Kulturgeschichte. Eine Theorie führt ihn auf den mittelalterlichen Rosensonntag zurück, an dem der Papst eine goldene Rose segnete. Eine andere verweist auf die Kölner Karnevalsreform von 1823, bei der die Organisatoren sich „Rosenmontagsgesellschaft“ nannten – vermutlich, weil es besser klang als „Montagskomitee“. Und dann gibt es noch die sprachhistorische Idee, dass „Rosen“ schlicht von „rasen“ kommt. Wer einmal einen Rosenmontagszug erlebt hat, hält das nicht für völlig abwegig.

 

Der Tag danach trägt den charmanten Namen Veilchendienstag.

Warum ausgerechnet Veilchen? Nun, das kleine Blümchen steht traditionell für Bescheidenheit und Neubeginn – beides Eigenschaften, die man gut gebrauchen kann, wenn man nach mehreren Tagen Frohsinn langsam wieder in Richtung Alltag schwenkt. Der Name wirkt wie ein freundlicher Hinweis: „So, ihr Lieben, jetzt noch einmal ordentlich feiern, dann wird’s wieder ernst.“

In der Nacht von Veilchendienstag auf Aschermittwoch wird in Köln vielerorts der Nubbel verbrannt.

 

Der nüchterne Schlussstrich: Aschermittwoch

Das Ende der Session und der Beginn der Fastenzeit. Die Gläubigen lassen sich ein Aschekreuz auf die Stirn zeichnen – ein stiller Moment nach all dem Lärm. Es markiert den Beginn der Fastenzeit, also der 40‑tägigen Vorbereitung auf Ostern und soll an die eigene Vergänglichkeit erinnern. Bereits aus dem Mittelalter stammt das Ritual, die Asche aus den verbrannten Palmzweigen des Vorjahres zu gewinnen, die am Palmsonntag gesegnet wurden.

Traditionell endet der Karneval für viele Jecken mit einem gemeinsamen Fischessen, bei dem man die Session noch einmal in Ruhe Revue passieren lässt.

 

Doch keine Sorge: Im Rheinland weiß man, dass nach dem Karneval vor dem Karneval ist.