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Nubbel? Was ist das denn?

Von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag zu viel gebützt? Zu viel getrunken? Dein Geld ist futsch? Quatsch gemacht?

Keine Sorge, du bist nicht schuld: Dä Nubbel is dä arme Kerl, dä immer alles verbockt hät.

 

Der Nubbel, eine lebensgroße Strohpuppe, die im Kölner Karneval als Sündenbock dient, hat seine Wurzeln im kölschen Sprachgebrauch des 18. Jahrhunderts. Ursprünglich bezeichnete Nubbel schlicht irgendeinen Menschen, dessen Identität unbestimmt oder unwichtig war. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts ging der Ausdruck auf die Strohpuppe über, die im Kölner Raum traditionell auch Zacheies genannt wird. Diese Figur verkörperte früher das Ende einer Kirmes und wurde verbrannt oder begraben; im Karneval übernahm sie schließlich die Rolle desjenigen, dem man symbolisch alle begangenen Sünden zuschreibt.

 

Der Ablauf der Nubbelverbrennung variiert von Kneipe zu Kneipe. Meist wird der Nubbel bereits an Weiberfastnacht, dem Auftakt des Straßenkarnevals, gut sichtbar an der Fassade einer Gastwirtschaft befestigt. Am Ende des Karnevalsdienstags (Veilchendienstag), Punkt Mitternacht, beginnt ein feierlicher Zug: Bei Fackelschein wird der Nubbel in einem kurzen Umzug um den Block zu Grabe getragen. Anschließend folgt die Anklage. Oft in Mundart, häufig gereimt vorgetragen von einem Jecken, der als Geistlicher verkleidet ist; gelegentlich übernimmt sogar ein echter Geistlicher diese Rolle. Zunächst verteidigt die Menge den Nubbel noch, doch im Verlauf der Anklage kippt die Stimmung.

Auf Fragen wie „Wer hat Schuld, dass wir unser ganzes Geld versoffen haben?“ antwortet die johlende Menge schließlich im Chor: „Dat wor der Nubbel! Er soll brennen!“

 

Mit der Verbrennung, so der Volksglaube, werden alle während der Karnevalszeit in Köln begangenen Verfehlungen getilgt. Danach kehren die Jecken in die Kneipen zurück und feiern weiter, bis am Morgen der Aschermittwoch beginnt und die närrische Zeit endet.


Im Bonner Raum und im Siebengebirge existiert zwar mit dem Zacheies ein traditionelles Pendant zum kölschen Nubbel, doch die dazugehörigen Verbrennungsrituale sind dort weit weniger verbreitet und vielerorts nahezu verschwunden. Statt großer Veilchendienstags‑Zeremonien lebt der Brauch meist nur noch in einzelnen Ortsvereinen weiter, weshalb viele Menschen aus der Region ihn kaum kennen. So bleibt die spektakuläre Nubbelverbrennung vor allem ein typisch kölsches Kneipenritual.


Im Düsseldorfer Karneval wird der Hoppediz am 11.11. feierlich erweckt und hält eine spöttische Rede auf Politik und Stadtgeschehen. Am Karnevalsdienstag wird er dann in einer symbolischen Zeremonie zu Grabe getragen, allerdings ohne die kölsche Sündenbock‑Logik: Er steht nicht für persönliche Verfehlungen der Jecken, sondern markiert schlicht das Ende der Session. Damit ist der Hoppediz eher eine närrische Leitfigur als ein Schuldträger – ein rheinischer Verwandter, aber kein echtes Pendant zum Nubbel.


In diesem Sinne: Genießt den kölschen Straßenkarneval – und falls unterwegs etwas aus dem Ruder läuft, keine Sorge … dä Nubbel wor et.

 

3 x Kölle Alaaf,

Antje Hansen