Jugend-Krimi - Lesealter 10-15 Jahre

Jugend-Krimi Buchcover Agrippina-News beamen war gestern, von Antje Hansen 2016

Der erste Fall für das Team von Agrippina-News, beamen war gestern

 

Die vier jungen Redakteure können nicht fassen, was an der Kölner Agrippina-Gesamtschule kurz vor den Sommerferien passiert: Einbruch, Raub und die Sabotage an der ersten Ausgabe ihrer Schülerzeitung.

Schlimm genug, dass Modelmama Heidi Klum in den Artikel über Kölns Stadtgründerin montiert und Schulleiter Kaiser mit Piratenbärtchen und Warze verziert wurden. - Aber wer hat die unbezahlbare antike Agrippina-Büste gegen eine Kopie vertauscht?

Und als unvermutet eine fremde Frau in der Redaktion auftaucht, zweifeln David, Heidi, Marie und Rufus endgültig an ihrem Verstand. Sie ahnen nicht, welch mysteriöse und gefährliche Ereignisse ihnen bevorstehen …

 

Ein Jugend-Krimi von Antje Hansen

Im Buch wird - spielerisch - thematisiert: Pressefreiheit, Toleranz und Respekt vor der Meinung anderer.

Psst Hörmal Verlag, Köln, 2. überarbeitete Auflage mit neuem Cover Februar 2016 (Erstausgabe August 2015) 

  • Taschenbuch (210 Seiten Spannung)                                         ISBN: 978-3-00-049239-6, 9.95 €
  • Als Ebook bei vielen Ebook-Anbietern, 5,99 €

 

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Lesermeinungen

 

Leseprobe Agrippina-News, beamen war gestern

...

 

„Papa? Alles in Ordnung?“, frage ich. „Wenn du Frau Obermaier suchst, die findest du in unserem Klassenzimmer auf der ersten Etage.“

„Was für eine Frau Obermaier?“ Papa fährt mit der Hand prüfend über den Kopf der Agrippina-Büste und schüttelt verstört den Kopf.

„Meine Klassenlehrerin. Erde an Herrn Ladowski: Sie haben jetzt einen T e r m i n!“

„Richtig!“ Mit einem Ruck wendet sich mein Vater von der Skulptur ab. „Und zwar mit Herrn Kaiser. Ihr zwei sagt bitte Frau Obermaier Bescheid, dass wir unser Gespräch leider verschieben müssen und kommt dann mit ihr zur Schulleitung.“ Rücksichtslos bahnt er sich eine Schneise durch aufgeregt kreuz und quer laufende Schülerscharen auf dem Weg in die Sommerferien.

„Was ist denn in deinen Vater gefahren?“, fragt der Rote und runzelt die Stirn.

Wir schauen uns verständnislos an, machen aber kehrt und gehen zurück in mein Klassenzimmer. Unterwegs begegnen uns Heidi und Marie, denen wir von dem sonderbaren Verhalten meines Vaters berichten.

„Das wird sich schon aufklären. – Erwachsene benehmen sich manchmal merkwürdig. Wir warten in der Redaktion auf euch. Sobald ihr fertig seid treffen wir uns dort. In der Zwischenzeit suchen Marie und ich alles für die Eifel zusammen. Die Rechner und was wir sonst noch so brauchen. Beeilt euch!“, sagt Heidi.

Vor meiner Klasse halten wir kurz inne. Ich mustere den Roten. Noch einer, der sich seltsam benimmt. Sein Zeugnis kann nicht der Grund sein, denn Rufus ist ein glänzender Schüler, der ohne großen Aufwand gute Noten aus dem Ärmel schüttelt. Aber so wie er aussieht, kann es nicht mehr lange dauern bis zum Überkochen. Wo andere eingeschnappt vor sich hin brodeln, explodiert er wie ein Knallbonbon.

Ich klopfe an, und wir betreten den Raum. Wie erwartet sitzt Frau Obermaier noch am Lehrerpult und da sie von Natur aus neugierig ist, bombardiert sie uns mit Fragen, auf die wir nur ratlos mit den Schultern zucken können, denn wir wissen auch nicht, warum wir meinen Vater beim Kaiser treffen sollen. Gemeinsam durchqueren wir das Gebäude und laufen zum Verwaltungstrakt.

 

Da die meisten Schüler und Lehrer die Schule bereits verlassen haben, hallen unsere Schritte durch mittlerweile verwaiste Flure. Die Stille wird jäh von der aufgebrachten Stimme meines Vaters unterbrochen. Er und der Kaiser kommen uns im Laufschritt entgegen. Der Kaiser fährt sich über die akkurat gestutzten grauen Haare und holt ein Smartphone aus der Tasche seines Anzugs.

„Und … Sie sind ganz sicher?“, fragt er sichtlich schockiert.

„Selbstverständlich! Sonst hätte ich dieses Fass nicht aufgemacht. Sie müssen bedenken, dass ich seinerzeit als Schüler bei den Ausgrabungen dabei war und später meine Examensarbeit über das Römische Köln geschrieben habe“, erwidert mein Vater. „Ich kenne Agrippina, die Jüngere, fast so gut wie meine eigene Familie. Die Skulptur im Foyer ist zwar auf den ersten Blick einigermaßen anständig gemacht, und für ein ungeschultes Auge ist der Unterschied kaum zu erkennen, aber sie ist und bleibt eindeutig …“

„Eine Fälschung!“, unterbricht ihn der Kaiser fieberhaft. Er tippt 110 ins Telefon. „Polizei? Direktor Kaiser hier; Schulleitung. Ich muss ein Verbrechen melden. Bitte schicken Sie jemanden vom Einbruchsdezernat zur Agrippina-Gesamtschule“, stöhnt er ins Telefon. „Und bringen Sie die Spurensicherung mit!“

„Was denn für eine Fälschung?“, stammelt Frau Obermaier.

Rufus und ich starren meinen Vater entsetzt an.

„Die Agrippina-Büste!“, erwidert Papa düster. „Das Original wurde durch eine Kopie ersetzt! – Was das für ein Verlust ist, könnt ihr euch nicht vorstellen!“

 

Noch ein Diebstahl! – Diesmal die unbezahlbare antike Skulptur, die der Schule vor zwei Jahren auf Empfehlung meines Vaters vom Römisch-Germanischen Museum leihweise überlassen wurde. Nach dem Motto: Geschichte zum Anfassen. Seitdem ist die Agrippina Bestandteil unseres Schullebens, Treffpunkt und Maskottchen. An Karneval wird sie mit Luftschlangen und einer roten Pappnase dekoriert und in der Weihnachtszeit setzten wir ihr eine Nikolausmütze auf. Passend zum Beginn der Sommerferien hat ihr heute irgendein Witzbold eine Taucherbrille mit Schnorchel verpasst, die der Kaiser gerade mit verkniffenen Lippen entfernt. Dabei weiß jeder, der schon mal einen Krimi gesehen hat, dass ein Tatort nicht verändert werden darf. – Amateur.

 

...

 

Der Drehstuhl, samt Rufus, gerät in Bewegung, rollt nach hinten und rammt die grüne Glasamphore, aus der ein vergessener Regenschirm ragt. Im Zeitlupentempo neigt sich die hässlichste Schirmständer-Mülleimer-Kombination der Welt zur Seite, fällt zu Boden und zersplittert in unzählige Scherben. Nur die beiden zarten Glashenkel bleiben heil. Der Schirm, eine Papierkugel und eine leere Colaflasche rollen heraus.

„Endlich hat es das olle Teil hinter sich!“ Heidi bringt den Verlust auf den Punkt. – Doch dann weicht sie ängstlich zurück.

Aus der zerschmetterten Glasvase quillt dicker roter Qualm.

In die fassungslose Stille faucht eine kreischende Stimme: „Plebs! Pöbel! Pack! Könnt ihr nicht aufpassen?“ Der Qualm formt die Umrisse einer kleinen knubbeligen Frau. Zornig stemmt sie die Fäuste in die Seite. „Reicht es nicht, dass ihr mein kaiserliches Domizil zu allem Möglichen missbraucht?“ Sie holt aus und kickt mir Regenschirm und Flasche vor die Füße. „Seit Neuestem als Mülleimer! – Schlimm genug, dass die Büste weg ist und jetzt auch noch“, sie verpasst Rufus eine schallende Ohrfeige, „das!“

Der Rote reibt erschrocken seine schmerzende Wange. Den Mädchen hat es die Sprache verschlagen, und ich habe das untrügliche Gefühl in einer Walt Disney Produktion gelandet zu sein: Aladin stellt die Schule auf den Kopf, oder so etwas in der Art. Die Dicke mit der Kreissägenstimme kauert auf dem Boden und hält zwei Scherben der zerbrochenen Glasvase aneinander. – Was soll das werden? Ein Puzzle?

Sie hält einen der Henkel vor Rufus‘ Nase. „Sieh, was du angerichtet hast, du Tölpel“, knurrt sie anklagend.

Das kann doch alles nicht wahr sein! Ich schließe die Augen, zähle langsam bis zehn, öffne sie wieder. Die schlecht gelaunte Dicke ist immer noch da. „Wer …?“ Ich habe einen Frosch im Hals, den ich erst wegräuspern muss, bevor ich in der Lage bin eine zusammenhängende Frage zu formulieren. „Wer sind Sie?“, frage ich kratzig.

Mich trifft ein abschätzender Blick aus stechend blaugrauen Augen, der durch lautes Klopfen an der Redaktionstür unterbrochen wird. Augenblicklich lässt die Frau den Glashenkel fallen und verwandelt sich zurück in undurchdringlichen Qualm. Einem aufgebrachten Hornissenschwarm gleich, dreht sie eine Runde durch die Redaktion, sucht, findet und verschwindet in meinem Schulrucksack.

 

Die Tür geht auf und mein Vater kommt herein. Er streicht mir mitfühlend über den Kopf und murmelt etwas von: „Was für eine Aufregung, ihr seht ziemlich mitgenommen aus.“ Etwas lauter sagt er: „Aber jetzt sind Polizei und Spurensicherung vor Ort, wir können nach Hause gehen – kommt doch alle mit zu uns – auf den Schreck spendiere ich jedem eine Pizza.“

...