Abenteuer auf Burg Donnersbach

für Kinder von 5-10

Das zweite Buch über Vampir Valentin, Hexe Emma und den Geheimbund

 

Im Team gelingt den Freunden (fast) alles

Abenteuer auf Burg Donnersbach, der kleine Vampir Valentin 2, Antje Hansen, Psst Hörmal Verlag, 2te Auflage Taschenbuch

Einzug auf Burg Donnersbach.

Doch plötzlich fegt ein stürmisches Gewitter durch das Kellergewölbe.

Ungemütliche Zeiten brechen an, denn die Burg beherbergt zwei schlecht gelaunte Gespenster, die dem kleinen Vampir Valentin und seinen Freunden eiskalte Schneebälle um die Ohren schleudern, das alte Gemäuer unter Wasser setzen und auch vor Brandstiftung nicht zurückschrecken.

Die beiden fiesen Gespenster katapultieren die frisch gebackenen Burgbewohner kopfüber in ein neues, ziemlich ungemütliches Abenteuer.

 

Text und Zeichnungen von Antje Hansen

  • Taschenbuch für Selbstleser, 83 Seiten, 15 cm x 21 cm, schwarz/weiß illustriert, Erstausgabe April 2016, ISBN: 978-3-946506-03-4, € 8,95
  • überarbeitete 2. Auflage mit neuem Cover und Fadenheftung ab 1. August 2018
  • Hörbuch, Audio CD, Laufzeit: ca. 75 Minuten, gesprochen von Claudia Scarpatetti, veröffentlicht 2011, ISBN: 978-3-00-035101-3, € 9,95
  • illustriertes Ebook, € 4,99

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Hörprobe:

Leseprobe: Abenteuer auf Burg Donnersbach

Kapitel Zwei - Der Schlüssel auf dem Eis

„Sessel bekleckern? Fenster einschmeißen? Die Halle unter Wasser setzen? Du bist eine Hexe, Emma! Du hättest es ganz sicher bemerkt, wenn sich jemand in der Burg versteckt, um fiese Streiche zu spielen. Wer kann dich ausgetrickst haben?“

 

„Wenn ich das wüsste, Valentin, dann wäre ich ein ganzes Stück schlauer. Aber ich habe keine blasse Ahnung“, sagt Emma, während sie sich nachdenklich eine rote Haarsträhne um den Finger wickelt.

 

„Komm mit! Ich bin schon ganz gespannt auf mein neues Kellerverlies und auf deine Hexenküche. Vielleicht finden wir dort irgendeine Spur. Bis zum Abendessen haben wir noch massenhaft Zeit. Fangen wir bei dem Kamin an. Dort, wo du die unheimliche Stimme gehört hast.“ Auf leisen Sohlen schleichen die beiden die dunkle Holztreppe hinunter zu den Gewölbekellern. Sie kommen an der Ahnengalerie derer von Donnersbach vorbei, ernst blickenden Rittern und holden Burgfräulein, vorbei an polierten Ritterrüstungen und gefährlich spitz aussehenden Hellebarden, Lanzen und Schwertern. Der Gang zu den Kellergewölben wird von grünlich flackernden Fackeln erhellt. Ihr Schein malt Schatten in Form von Waldtieren an die Wände; Rehe, Wildschweine, ein Fuchs und sogar ein Bär laufen die Wände entlang.

 

„Ganz schön schaurig, Emma! Der Bär sieht echt gefährlich aus“, stellt Valentin unbehaglich fest.

 

„Findest du? Wäre dir ein Specht lieber?“ Einen Hexenspruch murmelnd, weist Emma mit ihrem Zauberstab auf den Schattenbären, der sich augenblicklich in einen Specht verwandelt. Sein ohrenbetäubendes Hämmern hallt durch den Gang.

 

Lachend hält sich Valentin die Ohren zu. „Der Bär ist in Ordnung, solange er nicht beißt. Schalt den Krach mal wieder aus!“ Seine Vampir-Goldzähne blitzen im grünen Lichtschein.

 

„Okay, wie Sie wünschen, Herr Vampir!“ Emma richtet den Zauberstab erneut auf die Wand. Das Gehämmere verstummt und der Bär erscheint wieder; diesmal deutlich kleiner und kein bisschen unheimlich. „Besser?“, fragt die Hexe und grinst.

 

„Viel besser“, stellt der Vampir erleichtert fest.

 

Abenteuer auf Burg Donnersbach - der kleine Vampir Valentin, Antje Hansen

Am Ende des Flurs liegen die Eingänge zu Emmas Hexenküche und Valentins Kellerverlies. Die Türen sind geschlossen. Es ist still hier unten. Mucksmäuschenstill. So still, dass sich sogar ein kleiner Vampir und eine kleine Hexe gruseln.

 

Gänsehaut breitet sich auf Valentins Armen aus. Seine Nackenhaare sträuben sich. Er dreht sich um und erstarrt, als er aus dem Augenwinkel einen weißen Nebelschleier bemerkt, der aus dem Schlüsselloch zu seinem Kellerverlies quillt. Einen Augenblick spätes ist er weg.

 

„Da war was, Emma!“, flüstert Valentin. „Es ist im Kellerverlies verschwunden. Eine kleine weiße Wolke.“

 

Emma kichert und antwortet albern: „Na klar, das machen Wolken ja ständig. Sich in Verliesen rumtreiben ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen.“

 

„Nein im Ernst! Emma, ich hab es genau gesehen! Etwas Weißes … nebelig oder … oder wolkig … hat sich durch das Schlüsselloch gezwängt!“

 

„Hm!“ Energisch schiebt Emma den Vampir zur Seite und betrachtet die Tür. „Von außen sieht man nichts“, stellt sie fest, dann drückt sie kurz entschlossen die Klinke herunter. Hinter dem Eingang in das Verlies herrscht tiefe Dunkelheit. Bis Emma unzählige Sterne an die Decke hext, sieht man die Hand vor Augen nicht.

 

„Nix! Hier ist überhaupt nichts! Und schon gar keine Wolke!“, ruft Emma erleichtert.

 

Das Kellerverlies ist rund wie der Turm vom Bürgermeister, unter dem er liegt. Die Wände bestehen aus unbehauenen Steinen. In luftiger Höhe wölbt sich eine Holzdecke. Darunter erscheint ein Himmel mit Emmas leuchtenden Sternen, die ein schummeriges Licht verbreiten. Anstelle eines Fußbodens liegt am Grund des Verlieses ein stiller Teich, über den sich ein Labyrinth aus hölzernen Stegen und kleinen Terrassen schlängelt. Auf einer dieser Terrassen, unter einem knorrigen Birnbaum, steht Valentins Marmorsarg. Der kleine Vampir streichelt mit einer Hand über den kühlen Marmor, mit der anderen pflückt er eine Birne.

 

„Wie lecker! Die habe ich kürzlich zum ersten Mal bei Frau Schnütgen gekostet. Woher wusstest du das? Zauberei?“ Valentin beißt genüsslich hinein.

 

„Nee, keine Zauberei, sondern mein Lieblingsobst.“ Emma grinst und schwingt sich in den Baum.

 

Während die beiden, ins Birnen futtern vertieft sind, bemerken sie nicht, dass über ihren Köpfen Merkwürdiges vorgeht. Im Schatten der Holzbalkendecke lauern zwei weiße Wölkchen; eine Größere und eine Kleinere. Draußen, unter freiem Himmel, wäre das nichts Ungewöhnliches. Doch hier? Im Keller von Burg Donnersbach sind diese Vorgänge mehr als seltsam.

 

Als ein erster Tropfen auf Emmas Nase zerplatz, sagt sie: „Huch, es regnet“, springt vom Baum auf den Steg und schaut zur Decke. „Es regnet?“ Sie erblickt die beiden Wolken, deren Farbe in ein bedrohliches Dunkelgrau wechselt und ruft aufgeregt: „Valentin, schau!“ 

 

Ein sturmgepeitschter Platzregen sowie ein tosendes Gewitter prasseln auf Emma und Valentin herunter. Klatschnass suchen sie Schutz unter einem der Stege.

 

„Was ist hier los, Emma? Ein Gewittersturm im Keller? Das geht es nicht mit rechten Dingen zu!“, flüstert der kleine Vampir.

 

Unheilvoll dröhnt eine tiefe Stimme durch das Gewölbe: „Wo ist er? Rück ihn sofort raus, sonst wird es dir und deinen Freunden schlecht ergehen!“ Eine quietschende Stimme fügt hinzu: „Sehr richtig! Los, sag uns, wo er ist! Und zwar sofort!“ Eine Sturmbö wirbelt Valentins tonnenschweren Marmorsarg bis unter die Decke und lässt ihn in den Teich fallen, Wasserfontänen klatschen an die Wände.

 

Erst als der Sturm ein wenig nachlässt, öffnen Emma und Valentin wieder die Augen, die sie sich vor Angst zugehalten haben. Sie schlottern vor Kälte und Furcht. Über ihnen schweben zwei wolkenartige, dunkelgraue Gestalten. Eine Große und eine Kleine, die aussehen, als würden sie jeden Moment vor Wut platzen.

 

„Wir kennen dich! Pfui Spinne! Du bist dieser … dieser gemeine Valentin!“, faucht die größere Wolke und spuckt dem kleinen Vampir einen eiskalten Hagelsturm ins Gesicht. „Los! Verrate es endlich: Wo ist er? Wir wissen, dass du ihn versteckt hast!“

 

Valentin fragt bibbernd: „Also, wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung, wer ihr seid und worum es überhaupt geht. Ich habe euch noch nie gesehen! Was wollt ihr von mir? Ihr sucht etwas, soviel habe ich mittlerweile verstanden. Aber ich weiß wirklich nicht was!“

 

„Falsche Antwort! Ganz falsche Antwort!“, quietscht die kleinere Gestalt zornig und schleudert Blitze auf Valentin und Emma. „Du willst von nix wissen? Aha, so, so! Das kannst du deiner Uroma erzählen! Du bist dieser Valentin von Donnersbach, dieser kleine … fiese … freche Kerl, der vor 265 Jahren unseren Schlüssel versteckt hat! Nach jahrhundertelanger Suche hatten wir ihn endlich gefunden, dann kamst du und zack, weg war er!“

 

Abenteuer auf Burg Donnersbach - der kleine Vampir Valentin, Gespenster

„Und jetzt macht er einen auf ahnungsloses Unschuldslamm! Ich will den Schlüssel! Sofort!“, knurrt die größere Gestalt.

 

„Hä? Was für ein Schlüssel? Den soll ich versteckt haben?“, murmelt Valentin nachdenklich. „Es tut mir echt leid, aber ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern! Das ist doch schon eine halbe Ewigkeit her! 265 Jahre!“

 

Emma mustert die Gespenster ratlos. „Was wollt ihr überhaupt mit diesem Schlüssel? Ist der so wichtig für euch, dass ihr deswegen eine Überschwemmung im Keller anrichtet? Und wer seid ihr eigentlich? Und wo kommt ihr her? Ich habe euch noch nie hier gesehen! Bevor Valentin mich entdeckt hat, habe ich die Burgruine durchsucht! Und das Einzige, was ich gefunden habe, war das Zauberbuch vom alten Burgzauberer Flörus. Euch hätte ich mit Sicherheit bemerkt! – Aber, Moment mal!“ Emma funkelt die beiden Gestalten wütend an. „Wart ihr das? Habt ihr etwa die Fenster eigeschmissen und die Halle unter Wasser gesetzt? Na klar!“ Zornig stemmt die kleine Hexe die Fäuste in die Seite. Dann zückt sie ihren Zauberstab, um Valentins Sarg wieder an Ort und Stelle zu hexen sowie trockene Klamotten für den kleinen Vampir und sich selbst.

 

Nun, da du ein kluges Kind bist, hast du sicher längst erraten, was das für merkwürdige Wolkengebilde sind oder? „Klar, wie Kloßbrühe!“, ruft Valentin, dem gerade ebenfalls ein Licht aufgeht. „Mensch, Emma, denk an Sieglindes zweiten Feenwunsch! Burg Donnersbach soll im alten Glanz neu aufgebaut werden. Im alten Glanz! – Dann ist es also doch wahr. Es gab sie wirklich. Und nun sind sie wieder da, die zwei Burggespenster!“

 

Abenteuer auf Burg Donnersbach - der kleine Vampir Valentin 2, Antje Hansen